Archive für 6.2.2010

Gemischte Gefühle…

Eine Woche bin ich jetzt zu Hause. Nein, ich habe keinen Urlaub und nein, ich bummle auch keine Überstunden ab.

Freigestellt bin ich, wie meine lieben Kolleg/innen auch. Wegen Standortaufgabe, Werksschliessung oder das böse, böse Wort “Insolvenz”.

Mehr als 22 Jahre, einfach weg. So richtig glauben mag ich das noch nicht, obwohl uns vorletzte Woche ja schon so langsam die Werkshalle leergeräumt wurde. Trotzdem hatten wir noch eine lustige Zeit mit viel Lachen und Spass.

Nur als letzten Freitag der Feierabend gekommen war, wurden wir immer stiller. Keiner wollte aufstehen und gehen. Alle wussten, wenn wir jetzt hier rausgehen, dann wars das. Dann ist Schluss für immer. Okay, wir werden in Kontakt bleiben (viele auf jeden Fall), aber so wie hier sehen wir uns nie wieder.

Viele Tränen sind geflossen, als wir dann endlich gegangen sind, bei uns Mädels auf jeden Fall. Als ich vom Parkplatz gefahren bin habe ich geheult wie ein Schlosshund. Über 22 Jahre….

Und jetzt?

Ich glaube es immer noch nicht so ganz. Aber wenn ich zurück denke, dann ist da keine Trauer, kein Kloss-im-Hals, keine Magendrücken, kein “ich-muss-gleich-heulen-Gefühl”. Ich kann mir auch die Fotos anschauen, die ich während der letzten Wochen gemacht habe. Ich dachte, wenn ich die sterbende Firma bildlich festhalte, begreife ich eher, dass es wirklich vorbei ist.

Aber es tut nicht weh…. nicht? nicht mehr? noch nicht? Kommt vielleicht noch.

Zwischenzeitlich habe ich sogar mit grosser Begeisterung Adressen herausgesucht und notiert, wo ich mich beweben will. Neugierig auf neue Herausforderungen, wo werde ich landen? Wohin führt mich mein Weg? An die Finanzkrise habe ich gar nicht gedacht. Kann doch nicht jedem schlechtgehen, oder?

Im nächsten Augenblick denke ich wieder, wenn mir jetzt einer sagt, das war alles nur ein böser Traum, und ich kann am Montag wieder zu Nachtschicht gehen, ich würde mit Freuden und Glück meinen Arbeitskorb packen, und denken: was für ein Alptraum….

Komisch, ich will zurück und bin gleichzeitig bereit, neues zu erleben. Neue Arbeit, neue Kollegen, alles neu.

Aber eines weiss ich ganz genau. Meine (ex)Kollegen werde ich immer in meinem Herzen tragen, ich habe sie immer als meine Familie betrachtet, mit Liebe. Auch wenn es schonmal Zickereien unter einigen gab, sie sind mir alle sehr wichtig und haben allen einen festen Platz in meinem Herzen.

Für immer……

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